Gegenpäpste – Prüfsteine universaler Autorität im Mittelalter

 

Untersucht werden die durch Erhebung konkurrierender Päpste verursachten Schismen des Mittelalters. Im Zentrum stehen dabei die Krisensituationen, die durch die dogmatisch wie rechtlich nicht vorgesehene Verdopplung der höchsten kirchlichen Autorität hervorgerufen wurden, und deren Bewältigung durch die Zeitgenossen. Wurden Gegenpäpste bislang fast ausschließlich unter theologischen Gesichtspunkten (Spätantike), im Kontext stadtrömischer Konflikte (frühes Mittelalter) oder als Produkte kirchenpolitischer Fraktionsbildungen, stets aber als persönlich gescheiterte Gegenentwürfe rechtmäßigen Papstseins betrachtet, so wird nun erstmals der Versuch einer systematischen Zusammenschau des Phänomens unternommen. Der Blick richtet sich auf die Behauptungsstrategien der Konkurrenten und die kommunikativen Mechanismen, die zur Bildung und Festigung eigener Anhängerschaften eingesetzt wurden. Die Schismen insbesondere des hohen und späten Mittelalters werden als Krisen begriffen, die Weichenstellungen für die Ausformung universaler päpstlicher Autorität provozieren. In ihnen zeigen sich exemplarisch Kraft und Bedrohungen des römischen Bischofsamtes, das seit der so genannten „papstgeschichtlichen Wende“ (R. Schieffer) des 11. Jahrhunderts aus der lokalen Begrenzung herausgetreten und zu einer prägenden Institution der mittelalterlichen Welt aufgestiegen war.
Das Projekt schließt eine kirchengeschichtliche Forschungslücke und lässt neue Einblicke in die diskontinuierlichen Verläufe päpstlicher Autoritätsbildung und -festigung zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert erwarten.

 

Publikationen

  • H. Müller, B. Hotz (Hgg.), Gegenpäpste. Ein unerwünschtes mittelalterliches Phänomen (Papsttum im mittelalterlichen Europa 1), Köln/Weimar/Wien 2012. Inhaltsverzeichnis