Der Traktat De trigono balistario des Johannes Fontana

 

Instrumentenbau, vor allem die theoretischen Grundlagen, der Bau und die Verbesserung astronomischer Instrumente, war ein großes, bis heute nicht systematisch erforschtes Arbeitsfeld der spätmittelalterlichen Wissenschaft und Technik seit dem 13. Jh. Allein für den deutschen Kulturbereich registrierte Zinner 1925 über 250 handschriftlich erhaltene Traktate und andere Texte über astronomische Geräte. Deutlich ist der Zusammenhang zur arabischen und hebräischen Instrumentenbauliteratur und zur arabisch-jüdischen Trigonometrie. Neuere Editionen und Untersuchungen seit 1960 haben wichtige Autoren und ihre Werke bekannt gemacht. Jedoch fehlt einer der originellsten Versuche, die Funktionen mehrerer geometrischer Instrumente in einem einzigen zu vereinen: der autograph erhaltene Tractatus de trigono balistario des Venezianers Johannes Fontana (ca. 1395-1455), abgeschlossen am 28. Februar 1440 in Udine. Das sehr umfangreiche, wissenschafts- wie technikhistorisch bedeutsame Werk steht im Zentrum des Projekts. Die Schrift ist dem späteren Inhaber des Lehrstuhls für Mathematik an der Scuola di Rialto in Venedig, Domenico Bragadino, Lehrer von Luca Pacioli, zugeeignet, der wiederum Lehrer von Leonardo da Vinci war. Zu erwarten sind Erkenntnisse zum Überlieferungszusammenhang auch zwischen der Schule von Padua und der von Wien, die am Anfang der großen Instrumentenbautradition Nürnbergs stehen dürfte.