DFG-Projekt: Die Billunger - Reichs- und landesgeschichtliche Vernetzungen und dynastisches Fortleben im 12. Jahrhundert

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Bei den Billungern handelt es sich um eine sächsische Adelsfamilie, die seit dem 10. Jahrhundert in insgesamt fünf Generationen in ununterbrochener Folge die Herzöge in Sachsen stellte. Damit stellen die Billunger das einzige Herzogshau­­­s ihrer Zeit dar, das eine solche dynastische Kontinuität für sich verbuchen konnte. Erst der söhnelose Tod Magnus’ († 1106), des letzten Herzogs aus der Familie der Billunger, beendete die Herzogslinie der sächsischen Adelsfamilie.

Obgleich die Billunger damit zu einer der stabilsten und einflussreichsten Herzogsfamilien ihrer Zeit zählen, finden sie in der neueren geschichtswissenschaftlichen Forschung bislang kaum Beachtung. Bei den bereits publizierten Gesamtdarstellungen des billungischen Adelsgeschlechtes handelt es sich um drei Dissertationen, die jedoch bereits aus den 1950er Jahren stammen. Die drei älteren Studien bieten damit zwar bereits umfassende Befunde zur Dynastie der Billunger und ihrer Vernetzung innerhalb des römisch-deutschen Reiches, sie konzentrieren sich dabei jedoch hauptsächlich auf die agnatischen Bezüge der sächsischen Adelsfamilie und lassen ihre Rolle im ausgehenden 11. Jahrhundert sowie ihre kognatischen Verwandtschaftsverhältnisse im 12. Jahrhundert weitgehend unberücksichtigt. Hinzu kommt, dass das herangezogenen Quellenmaterial innerhalb der älteren Forschungsliteratur keine hinreichende quellenkritische Betrachtung erfahren hat und die Studien eine methodisch konservative Herangehensweise aufweisen. Dieser Befund wird umso deutlicher bei einer Betrachtung der neueren Arbeiten zu anderen Adelsgeschlechtern dieser Zeit, die auf neuen Erkenntnissen über das Verständnis der Strukturen von Herrschaft im Gefüge zwischen Königtum und Großen aufbauen konnten.

Auch wenn in den Jahrzehnten nach der Veröffentlichung dieser drei Dissertationen einige Aufsätze zu dem Herzogsgeschlecht der Billunger erschienen sind, blieb eine umfassende Gesamtdarstellung ihrer Dynastie bisher aus. Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen eines DFG-Projektes unter der Betreuung von Herrn Florian Hartmann eine methodisch zeitgemäße Monographie zu den Billungern entstehen, die sich nun auch intensiv mit der Führungsrolle des Herzogsgeschlechts im 11. und 12. Jahrhundert, ihrer personellen Vernetzung innerhalb wie außerhalb des römisch-deutschen Reiches beschäftigt und dabei auch die Verwandtschaftsverhältnisse auf kognatischer Linie berücksichtigt. Grundlegend hierfür sind eine kritische Neubetrachtung und Ausweitung des Quellenmaterials, die es ermöglichen sollen, die familiäre Vernetzung der Billunger auch über die Reichsgrenzen hinaus zu erfassen. Auf diese Weise soll ein Verständnis für die Position der Billunger und ihre Vernetzung auch über die Reichsgrenzen hinaus geschaffen werden, um eine Neubewertung ihrer Stellung im ausgehenden 11. Jahrhundert zu erwirken. Zudem soll die Untersuchung der kognatischen Verwandtschaftsverhältnisse eine Neuinterpretation des Aussterbens der sächsischen Herzogsfamilie anregen und damit Perspektiven für die Kontinuität der billungischen Herrschaft im 12. Jahrhundert über die Töchter Herzog Magnus’ eröffnen.

Unter der Leitung von Herrn Florian Hartmann findet im September 2021 eine Tagung zu den Billungern in Ratzeburg statt. Nähere Informationen zum Programm der Tagung erfahren Sie auf dieser Seite.